Hauptschulabschluss? Damit kann man etwas anfangen

Inge Michels im Gespräch mit Mario D` Alessio, Fraport, Frankfurt. 

Welche Berufe bietet Fraport für Hauptschüler an?

Mario D’ Alessio: Das sind gar nicht so wenige. Fraport bietet folgende Berufe an, für die mindestens ein Hauptschulabschluss erforderlich ist: Mechatroniker, KFZ-Mechatroniker, Konstruktionsmechaniker, Anlagenmechaniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme, Fachkraft für Lagerlogistik, Gebäudereiniger, Werkfeuerwehrmann und bei unserer Tochtergesellschaft FraSec GmbH die Ausbildung zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit.

 

Wonach wählen Sie die Jugendlich aus?

Mario DAlessio: Das ist je nach Ausbildungsberuf unterschiedlich. Generell nutzen wir ein mehrstufiges Auswahlverfahren. Zunächst sichten wir eingehende Bewerbungen und legen Wert auf ein ordentliches Anschreiben, aus dem die Motivation und das Interesse für das Unternehmen, aber auch für den jeweiligen Ausbildungsberuf hervorgehen. Anschließend laden wir zu einem Einstellungstest ein, der in den technischen Ausbildungsberufen in der Regel aus Fragen zum mathematischen sowie technischen Verständnis besteht. Weiterhin gibt es Sprachtests in Deutsch und Englisch. Dann führen wir Einzel- oder Gruppengespräche, in denen wir die Bewerberinnen und Bewerber, die den Einstellungstest erfolgreich absolviert haben, noch besser kennen lernen möchten.

 

Apropos „besser kennen lernen“: Was erwarten Sie außer guten Noten?

Mario DAlessio: Wir erwarten zum Beispiel, dass sich die jungen Menschen nicht nur für den jeweiligen Ausbildungsberuf, sondern auch für das Unternehmen und die Branche  ernsthaft interessieren. Darüber hinaus achten wir in erster Linie auf Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Leistungsmotivation und Kundenorientierung.

 

Wie kann ein Hauptschüler bei Ihnen „punkten”, auch wenn er nur ein durchschnittliches Zeugnis hat?

Mario DAlessio: Noten sind nicht alles. „Punkten“ kann ein Jugendlicher zum Beispiel, indem er vernünftig auftritt, dazu gehört angemessene Kleidung. Jogginghose etwa geht gar nicht, saubere Jeans mit Hemd oder Jackett sind okay. Es ist uns auch wichtig, dass ein Jugendlicher sein Interesse für den jeweiligen Ausbildungsberuf authentisch darstellen kann und glaubwürdig seine Bereitschaft vermittelt, etwas lernen zu wollen. Und das alles sollte nicht auswendig gelernt klingen.

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Wenn Sie sich etwas von den Eltern wünschen würden, was wäre das?

Mario DAlessio: Grundsätzlich wünschen wir uns als ausbildendes Unternehmen, dass Eltern ihre Kinder bei der Berufsorientierung und Berufswahl zur Seite stehen, insbesondere beim Herausfinden der Interessen und Fähigkeiten. Dabei sollte ein Kind bestmöglich unterstützt werden, zum Beispiel durch Gespräche mit den Eltern über besondere Fähigkeiten, Neigungen und Dinge, die es antreiben.

 

Gibt es auch Eltern, die ihr Kind zu etwas drängen, vielleicht, weil sie auch einmal gerne an einem Flughafen gearbeitet hätten?

Mario DAlessio: Wir erleben eher das Gegenteil. Dazu gehört, dass uns hin und wieder Schüler ihren Praktikumsplatz oder sogar Ausbildungsplatz absagen, weil ihre Eltern der Meinung sind, der Anfahrtsweg sei zu weit, der Beruf wäre nicht der Richtige oder Ähnliches. Meiner Ansicht nach sollten Eltern ihre persönlichen Vorstellungen darüber, welchen Beruf das Kind einmal erlernen soll, zurückstellen.

 

Was sollten Eltern noch besser unterlassen? 

Mario DAlessio: Nicht gut kommt es an, wenn Eltern für ihre Kinder mit uns in Kontakt treten, zum Beispiel um nach Ausbildungsmöglichkeiten zu fragen. Es macht einen deutlich besseren Eindruck, wenn sich die Jugendlichen selbst informieren und um ihre Berufswahl kümmern.

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Experte im Gespräch: Mario D` Alessio, Fraport, Frankfurt. Die Fraport AG ist als größter deutscher Airport-Konzern Eigentümerin und Betreiberin des Frankfurter Flughafens. Mario D` Alessio leitet die Abteilung Personalmarketing und verantwortet unter anderem Bereiche wie das Schüler- und Hochschulmarketing, die Weiterentwicklung des Online-Bewerbermanagementsystems und das Employer Branding (deutsch: Arbeitgebermarkenbildung).

Entnommen dem Buch von Inge Michels/Stephan Lüke, „Was Eltern bewegt: die richtige Schule für ihr Kind“ (Klett/Kallmeyer 2013)